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Nur nicht aus Liebe weinen...
Montag, 14. April 2008
- Alte musikalische Zeiten im KKK heraufbeschworen -

Wolfenbüttel. Von Tangos, die in Mode kamen, als Johannes Heesters schon auf der Welt war, über den Schieber bis zu französischen Chansons und amerikanischen Songs reichte das musikalische Programm zweier Künstler aus Marburg, die erstmals im Kleinkunstkabarett an der Ahlumer Straße auftraten.
Der Pianist Justus Noll und der Bariton Tim Riemenschneider schwelgten in Erinnerungen an alte Zeiten und Musikstücke, die auch hundert Jahre und mehr überlebt haben. Dazu gehörte die musikalische Aufforderung "Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger" hin", die das Duo zum Titel des nostalgischen Liederabends wählte.
Bar jeglichen Haupthaares, aber stimmlich gut ausgestattet, knüpfte Riemenschneider an Erfolgslieder des 20. Jahrhunderts an und konfrontierte das Publikum gar mit Titeln, die einst Marlene Dietrich auf den Leib geschrieben wurden, mit geringfügigen textlichen Änderungen aber auch dem Manne passig über die Lippen gingen. "Ich bin zu schade für eine allein...", kokettierte er, um dann mit erotische, Tiefgang den Schmerz über verschmähte Zuneigung niedrig zu halten: "Nur nicht aus Liebe zu weinen..."
Die Berliner Musikszene der 20er und 30er Jahre, die geprägt wurde von Bertold Brecht und Friedrich Hollaender, fand Widerhall in sentimentalen Songs auf Soldaten und Matrosen, auf den schönen Gigolo, der sein Pferd gegen Tanzschuhe eintauschte, und in frivolen Anspielungen auf das, was Prominente in der "Bar zum Krokodil am schönen Nil" nächtens und incognito so treiben.
Da durfte auch der der Kriminaltango nicht fehlen, der für einen alten Herrn mit Kneifer bekanntlich tödlich endete. Und ein Lied aus den Fünfzigern ("Geh'n Se mit der Konjunktur") traf regelrecht ins Schwarze. Riemenschneider beschwor damit den aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung.
Die Mischung aus Frechem und Frivolem, Deftigem (aus Russland) und Rührseligem, angereichert mit einem Hohelied auf den französischen Kaiser (getextet von Heinrich Heine) bescherte den Besuchern einen unterhaltsamen Abend auf gehobenem Niveau.