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"Bitte, iss wenigstens das Fleisch"
Braunschweiger Zeitung
Samstag, 10. Mai 2008
- Michael Ranz und Edgar May im KleinKunstKabarett in Wolfenbüttel -

"Bitte, iss wenigstens das Fleisch"Wolfenbüttel. Die Voraussetzungen für das Gastspiel der Comedians Michael Ranz und Edgar May im KleinKunstKabarett hätten nicht besser sein können: Das Publikum befand sich in gehobener Stimmung. So hatten die beiden Kabarettisten aus Potsdam leichtes Spiel, was sie offensichtlich beflügelte bei der Präsentation ihres neuen Programms. Es war gespickt mit leicht und schwer verdaulichen Delikatessen nach dem Motto "Bitte, iss wenigstens das Fleisch". Dieses Zitat soll von Michael Ranz Großvater stammen -als Antwort auf die Weigerung des Enkels, ein Glas Ziegenmilch samt darin schwimmender Fliege zu trinken.
Ranz, Schnellsprecher mit angenehmen Bass, und sein Partner May, Stichwort-Geber und auf die musikalische Begleitung am Keyboard spezialisiert, kritisierten schamlos, was in der Öffentlichkeit bekannt ist und in Privatsphären gerne verborgen wird. Da ließen sie die Jugend gegen das Alter wettern, die Senioren über ihre Nachkommen schimpfen, und polarisierten auf politischer Ebene.
"Arm macht glücklich" war so eine pervertierte Quintessenz des Arbeitslosen-Daseins. Auch dem Alkoholkonsum konnten die Komödianten eine angenehme Seite abgewinnen: Sie investierten ihr Geld in Whisky, "weil es nirgendwo mehr als 40 Prozent bringt".
Amüsantes entdeckte das Duo im Vergleich mit seiner ostdeutschen Vergangenheit und den DDR-Zeiten, die als kabarettistisches Dorado erschienen.
Wenn Michael Ranz einräumte, "dass wir schon eher auf die Straße gegangen wären, hätte es Sushi gegeben", klang auch Ironie durch am globalen Sprachgebrauch und internationalen Essgewohnheiten. Kalorien spielten eine dominierende Rolle im kabarettistischen Programm, sei es in Form von "Essen als Sex des Alters" oder unmäßigem Verzehr mit der Aussicht auf Übergewicht und die Chance, dass Tattoos auf den Hautpartien zu großflächigen Kunstwerken werden.
"Da kommen die zehn Tenöre erst richtig zur Wirkung." Bei einer "Diskriminierungsorgie" hauten die beiden Künstler zur Gaudi des Publikums mächtig auf den Putz, indem sie den konsequenten Rollentausch der Geschlechter praktizierten. Frivolitäten blieben nicht aus.